Geschichte

Der Nationale Widerstand

Bereits 1978/79 formierte sich in Basel eine Volkssozialistische Partei. Die Gründung einer Partei mit deutlich sozialnationalem Profil versetzte die Medien in helle Aufregung und sorgte für entsprechende Schlagzeilen. Programmatisch forderte sie unter anderem eine Rückführung von Fremdrassischen, oder die Einführung einer Luxussteuer. In ihrem Sprachrohr, dem «Sturmbanner», hiess es: «Endlich haben alle nationalrevolutionären Kräfte in der Schweiz eine Heimat.» 1983 machte in Zürich eine offen Nationalsozialistische Partei mit der Absicht, das «ramponierte Ansehen des NS verbessern zu wollen», von sich reden. Hier war gar die Teilnahme an Wahlen vorgesehen. Ab Mitte der 80er Jahre sammelten sich junge Nationale in verschiedenen völkisch-sozialen Kleingruppen wie den grenzüberschreitend vernetzten Neuen Nationalen Front, oder der Wiking Jugend, mit dem Ziel, der nationalen Idee auf völkischer Grundlage neues Leben einzuhauchen. Die Neue Nationale Front orientierte sich vollumfänglich an der Nationalen Front der 30er Jahre, was sie wiederholt im «Werwolf», dem Organ der NNF, unter Beweis stellte. Kernbotschaft der aus Deutschland stammenden Wiking Jugend war ihr Wille, der Jugend Ideale wie Volksbewusstsein, Treue und Pflichtgefühl, sowie die Pflege nordisch-germanischer Traditionen weiterzugeben.

Ein Ereignis von besonderer Tragweite, in dieser als «kleiner Frontenfrühling» bezeichneten kurzen Phase eines erstarkenden authentischen Nationalgedankens, war die Gründung der Patriotischen Front 1988, die sich zur bedeutendsten volksnationalen Gruppierung entwickeln sollte.

Zwischen Nationaler Aktion und diesen Gruppen gab es ab und an personelle Querverbindungen. Verschiedene Exponenten dieses völkisch-nationalen Lagers starteten ihre Laufbahn in der NA. Entscheidend für all diese Gruppierungen war ihre Hinwendung zu den Idealen der Erneuerungsbewegungen der Zwischenkriegszeit, was NA-Parteileitungen wohl auch aus Furcht vor negativen Konsequenzen an Wahlen vehement bekämpften. So bedienten sich dafür zuständige Parteigremien des Mittels des Parteiausschlusses, um sich von missliebigen, nicht nach der Parteilinie agierender Mitglieder zu entledigen. Führende nationale Aktivisten, wie M. Strebel oder R.W. wurden so zu eigentlichen Parteidissidenten.

Die äusseren Umstände, welche die Patriotische Front möglich machten, hingen im Wesentlichen mit der politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Lange, in der sich die Schweiz in den 1980er Jahre präsentierte, zusammen. Die Hochkonjunkturphase des Jahrzehnts bescherte den Unternehmen eine ausgezeichnete Auftragslage, wodurch immer neue Billigarbeiter – zunächst noch Saisonniers – hauptsächlich aus Süd- und Südosteuropa rekrutiert wurden. Unter Ausnutzung des Asylrechts setzte ein intensiver Zuzug von Wirtschaftsflüchtlingen ein, der – bedingt durch Liberalisierungen im Asyl- und Ausländerrecht – die Fremdenzahlen mit 14,6% 1980 und 15,4% 1986 auf das Niveau der frühen 70er Jahre ansteigen liessen. Dieser einsetzende Zuzug von nichteuropäischen Einwanderern aber verschärfte die Lage zusätzlich und schuf so ein Klima permanenter Angst unter der einheimischen Bevölkerung.

Hiermit lässt sich auch diese Akzeptanz der PF in Teilen des Volkes, beziehungsweise das damals unter vielen Schweizer vorherrschende nationale Selbstwertgefühl erklären. Nationalstolz und das Bekenntnis zur eigenen Art waren sich nicht fremd, gehörten identitätsstiftend zum Volksbewusstsein. Hier der Einheimische, da der Ausländer, der bei vielen bestenfalls als Gastarbeiter geduldet war.

Auch der allzu anpasserische Kurs der NA in Fragen der Asyl- und Ausländerpolitik, ihre einseitige Konzentration auf parlamentarische Arbeit – was bei Jungen nationalen Widerstand hervorrief – sowie die Untätigkeit der Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft begünstigten letztlich das Aufkommen einer Patriotischen Front, die aus dem gescheiterten Versuch einer NA-Sektionsgründung Zug/Schwyz entstand.

Gegründet wurde die Patriotische Front im Frühjahr 1988, nachdem eine zuvor ins Leben gerufene «Neue Front» vergeblich versuchte, die zum Teil in sich zerstrittenen Gruppierungen in einem «Verbund Autonomer Kameradschaften» zu einen. Neben der Neuen Front propagierte auch die von ihr abgespaltene «Nationalrevolutionäre Partei» (NPS) einen Nationalismus linken Zuschnitts. «Gegen Kapitalismus, Imperialismus und Marxismus» titelte die NPS in ihrem Programm. Die Neue Front war ein Ableger oder Aussenstelle der Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei (FAP). Inhaltlich gab sie einen linksnationalen Weg vor, was im Namen «Neue Front/Eidgenössische Sozialisten» zum Ausdruck kam. Und in ihrer Programmschrift dazu: «Die Neue Front ist eine sozialrevolutionäre Kraft …». Im Infoblatt der «Kameradschaft» hiess es: «… den Imperialismus mit revolutionärem Nationalismus bekämpfen», wodurch sie den Anspruch als nationalrevolutionäre Bewegung untermauern wollte.

Die Patriotische Front war als ausserparlamentarische Alternative der nationalen Rechten ausgelegt. Linke Positionen, wie sie zum Teil NF und NPS verfochten, lehnte die PF als ausgesprochen antimarxistische, ja antisozialistische Bewegung ab.

Im Gegensatz zum parlamentarischen Weg der Nationalen Aktion, propagierte die PF den ausserparlamentarischen Kampf. Langfristige Strategie: Mit den Mitteln einer aggressiven Propaganda, Demonstrationen und Aufmärschen den Effekt einer Volksbewegung zu erzielen, um auf diese Weise politische Inhalte umsetzen zu können. Leitlinien und Programmatik der PF orientierten sich am klassischen Muster nationaler Bewegungen der Zeit. Zentrale Schwerpunkte waren unter anderem: Vorherrschaft der weissen Rasse, eine Repatriierung von Fremdkulturellen, Verschärfung der Gesetze zur Bekämpfung der Kriminalität, mit der Kernforderung nach Wiedereinführung der Todesstrafe, soziale Hilfsprogramme, oder eine massive Stärkung der Sicherheitsorgane, insbesondere der Armee. Ausserdem waren auch restriktive Massnahmen zur Eindämmung religiöser Überfremdung vorgesehen. Im Unterschied zur ökologisch eingefärbten Politik der Nationalen Aktion, vertrat die Patriotische Front in manchen Positionen eine her konservative Grundhaltung, wie zum Beispiel eine der PF Leitlinien, welche sich auf den Schutz des Christentums vor religiöser Überfremdung bezog. Ein Umstand, der sich in konservativ geprägten Regionen auszahlte. Das Signet der PF – ein Pfeilkreuz, das jenem der ungarischen Pfeilkreuzlerbewegung ähnlich war, symbolisierte diese Leitlinien.

Anders als etwa Neue Front oder Nationalrevolutionäre Partei, die überwiegend im kleinstädtischen Umfeld Zürichs oder Schaffhausens agierten, blieb die Patriotische Front mit wenigen Ausnahmen aufs Land fixiert. Die Bildung von Ortsgruppen wurde mangels geeigneter Kaderleute kaum realisiert.

Auch das Projekt eines eigenen Infomagazins unter dem Namen «Der Patriot» kam nicht über eine Planungsphase hinaus. Obwohl die Front über Mitglieder in der Romandie verfügte, stand eine Ausdehnung in den französischen Landesteil auch wegen sprachlicher Differenzen nicht zur Diskussion.

Geführt wurde die PF von einem fünfköpfigen Exekutivrat, dem der PF-Mitbegründer Marcel Strebel als Aktionsleiter vorstand. Strebel, der ursprünglich aus dem aargauischen Wohlenschwil stammte, verkörperte mit seiner polternden Art den Typus des militanten ausserparlamentarischen Kämpfers. Seine Eloquenz, die Fähigkeit mit den Worten des einfachen Mannes zu überzeugen, rief die Medien auf den Plan. Neben einigen Berichten und Reportagen in Printmedien schaffte die Patriotische Front ihren Durchbruch in der öffentlichen Wahrnehmung mit der Teilnahme Strebels in der Sendung «Ziischtigs Club» des Schweizer Fernsehens im August 1989. Der werbewirksam als «PF-Aktionsleiter» eingeblendete Strebel bildete zusammen mit dem ehemaligen NA-Nationalrat und Chefredakteur der NA-Parteizeitung «Volk und Heimat» Hegg eine dominante Phalanx.

Wegen dieser Kontakte zu den Medien geriet die PF-Führung zeitweise unter heftige interne Kritik, eröffneten ihr aber auch neue finanzielle Möglichkeiten und trugen wesentlich zu ihrer Popularität in Teilen der Bevölkerung bei. Das Sympathisantenumfeld ging wohl in die Tausende. Der Erfolg der Patriotischen Front beruhte auf ihrer Nähe zum einfach Volk, bzw. diesem spezifisch eidgenössischen Nationalismus, ohne Bindungen ans Ausland, frei von ideologischen Zwängen.

Nationalistischen Bewegungen werden wesentlich durch die Arbeiterschaft und Jugend getragen, sie bilden gewissermassen ihr Rückgrat. Auf PF-Flugblättern hiess es dazu beispielsweise: «Bei uns gibt es Ordnung, Aktion und Volkskameradschaft – komm auch du zu uns!» Mit solchen Parolen wollte man explizit diese Bevölkerungsschichten ansprechen. Im Gegensatz zu anderen Gruppierungen nahm sie zumindest phasenweise den Charakter einer Volksbewegung an «Erstmals gelang einer als ‹rechtsextrem› eingestuften Gruppierung mit ihren simplen, zugleich aber wirksamen Botschaften, den Vorstoss in breitere Bevölkerungsschichten.», stellen Journalisten fest.

Diese PF-Aktivitäten zogen sich in einem Zeitraum vom Frühjahr 1989 bis in den Herbst desselben Jahres hin, und waren gekoppelt mit intensiver Aufbau und Hintergrundarbeit. So beteiligte sich die Patriotische Front zusammen mit der Neuen Front und der Nationalrevolutionären Partei auch an den im vierteljährlichen Zyklus stattfindenden Treffen der Nationalen Koordination (NK). Die Nationale Koordination fungierte als Dachorganisation der nationalen Rechten in der Schweiz und wurde von Elie Berset sowie vom Herausgeber des «Courrier du Continent», dem Lausanner G.A. präsidiert. Der Zweck dieser Nationalen Koordination bestand hauptsächlich im Austausch von Informationen und der Kontaktpflege innerhalb des nationalpatriotischen Lagers. Diese Nationale Koordination – die 1987 mit einer Liste an den Nationalratswahlen teilnehmen wollte – diente zudem als Organisationsbecken für gemeinsame Aktivitäten. Wie jene zunächst vor dem Löwendenkmal in Luzern geplante Demonstration zu Ehren der auf Seiten des französischen Königs gefallenen eidgenössischen Söldner (während der Französischen Revolution 1789). Sinn dieses Aufmarsches war es, eine Art Gegengewicht zu den offiziellen Revolutionsfeierlichkeiten (1789-1989) zu bilden. Strebel und G.A. hielten dabei kurze Reden, wobei G.A. betonte, dass «nur Artgleiche loyale Staatsbürger sein könnten.» «Erstmals seit Kriegsende wagte sich die schweizerische extreme Rechte wieder mit einer Demonstration an die Öffentlichkeit», lauteten die Schlagzeilen.

Die PF war, wie es Journalisten formulierten, eine Bewegung «klassisch nationalistischen Stils». Für die Front und ihre Anhänger stand dabei der Gegner von Anfang an fest: Dieser Staat und dieses System als Hauptverantwortliche für Überfremdung und nationale Degeneration sollten durch nationalrevolutionären Kampf beseitigt, und durch eine an ethnischen Kriterien ausgerichtete autoritäre Form nationaler Demokratie ersetzt werden. Dieser interne Widerspruch zwischen militantem Strassenkampf und politischen Aktivismus liess die PF schliesslich scheitern. Man war sich zwar einig, was man wollte, doch über den Weg dahin nicht. Aufgelöst wurde die Patriotische Front nie. Doch nachdem der Staat als Reaktion auf gewalttätige Manifestationen die Strukturen der PF zerschlug, brach die Front schliesslich in sich zusammen. Dasselbe Schicksal ereilte auch die mit einem Führungsanspruch im nationalen Spektrum gegründete Neue Front, die 1990 in der Versenkung verschwand.

Strebel und einige führende nationale Exponenten, wie zum Beispiel leitende Funktionäre der inzwischen ebenfalls inexistenten Nationalrevolutionären Partei, versuchen sich mit der Gründung einer Patriotischen Volkspartei mit dem Ziel, die zersplitterten nationalen Kräfte zu sammeln.

Dass sie von der politischen Nomenklatura (Klasse) ernst genommen, ja sogar als Gefahr für den inneren Frieden angesehen wurden, beweist eine Motion, die vom Genfer Nationalrat und Linkssozialisten Jean Ziegler im Dezember 1989 eingereicht wurde und in ihrem Kern die Auflösung und das Verbot der Patriotischen Front verlangte.

«Die Patriotische Front ist eine rassistische Organisation, deren Struktur, Ideologie und Verhalten gegen die Bundesverfassung verstossen.»

Dass das Interesse an der PF gerade unter der Jugend offenbar unvermindert anhält, zeigt ein Beispiel aus dem Frühjahr 2000: Im zugerischen Rotkreuz sorgten einige junge Aktivisten mit der Gründung einer «Neuen Patriotischen Front» für Aufsehen, was sich in der Folge jedoch als Strohfeuer erweisen sollte.

Die Patriotische Front wirkte in einer Zeit, in der Meinungs- und Versammlungsfreiheit noch nicht durch eine Antirassismusstrafnorm tangiert wurde, man noch von einer solchen Freiheit sprechen konnte.

Medienanstalten und Zeitungsredaktionen waren daher auch kaum in der Lage, einen derartigen Einfluss auf politische Vorgänge auszuüben wie gegenwärtig. Die Macht der Medien beschränkte sich politisch im Wesentlichen auf ihr Kerngeschäft der Information. Meist linkslastig, wurden systemabweichende Meinungen noch halbwegs toleriert, wie die Teilnahme Strebels am «Ziischtigs Club» beweist. Quoten standen nur marginal in der Pflicht politischer Korrektheit. Offene Konfrontationen beschränkten sich daher vorwiegend direkt oder indirekt auf den politischen Gegner. Das politische System nahm die PF zwar ernst, sah in ihr gar eine Gefahr, doch so manche gestandene Konservative, gerade auf Gemeinde- oder Kantonsebene, sympathisierten klammheimlich mit der äussersten Rechten. Deren Weltbild und Ideologie lagen weit jenseits von dem, was herkömmliche Parteien forderten. Die Patriotische Front betrachtete sich als Systemalternative, sie lehnte diesen schwächelnden Parteienstaat der Kompromisse ab, hatte ihre ideellen Wurzeln in den Erneuerungsbewegungen der Zwischenkriegszeit, und forderte für sich und das Volk eine nationale Revolution, um die durch die Auswüsche der französischen Revolution verschütteten abendländischen Werte wieder zu erwecken. Sie stand in direkter Linie zu jenen Formationen, die nach dem Krieg die nationale Idee auf eine neue organisatorische Basis stellten.

Das Experiment aber, die Schweiz mit einem revolutionären Nationalismus zu verändern, scheiterte.

Trotzdem was es der Versuch wert. Stiessen diese Ideen doch in weiten Teilen der Bevölkerung auf Sympathien. Die Frontisten in den 1930er Jahre machten es vor. Sie hatten eine beinahe identische Gegnerschaft, scheiterten jedoch wie die PF am allzu konservativen Charakter des Schweizer.