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Fussball-«Nationalmannschaften» – Spiegelbild gesellschaftlicher Veränderungen?

Zur Zeit wird in Frankreich um den Titel des Fussball-Europameisters gespielt. Welch ein Hohn auf die europäische Fussball-Vergangenheit! Denn betrachtet man die Zusammensetzung einzelner Nationalkader, muss der eigentliche Sinn eines solchen Turniers zumindest in Frage gestellt werden. – Ist doch die Identifikation mit so manchem Nationalteam deswegen gegen den Nullpunkt gesunken.

Abseits, und teilweise auch während des Spielbetriebs, wird – wie meistens bei solchen Grossereignissen – eifrig geprügelt. Diese Gewalt ist nicht zu rechtfertigen – doch ist sie auch ein Ausdruck der tiefen Gräben, die Europa entlang ihrer kulturellen Grenzlinien durchziehen. Selbst der Sport liefert ausreichend Beweise für das Scheitern jeglicher gesamteuropäischer Einigungsversuche: Solange Polen und Deutsche, Russen und Engländer – um einige Beispiele zu nennen – aufeinander losgehen, als hätten es nie eine Europäische Union mit ihren ach so gemeinsamen Werten gegeben, bleiben diese Gedankenspiele reine Fiktion. Beim Spiel Österreich gegen Ungarn traten auf den Rängen gar totgeglaubte Ressentiments aus der K.u.K. Epoche seitens der Ungaren zu Tage.

Wie dem auch sei, die Zeit der ethnisch mehr oder weniger homogen zusammengesetzter Nationalmannschaften, die dieser Bezeichnung wirklich gerecht werden können, scheinen besonders im deutschsprachigen Raum vorbei zu sein. Auf der Strecke bleibt ein Stück nationale Identität. Mögen sich «die da oben» noch so ins Zeug legen, um über einen derartigen Wettbewerb vermeintliche europäische Werte zu zelebrieren – entschieden darüber wird nicht in den Zentren politischer und sportlicher Macht, sondern am Festhalten der Menschen am eigenen Nationalstolz, der im krassen Gegensatz dazu steht.

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