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Russland 1917 – eine erkaufte Revolution?

Am 8. März 1917 rebellierten in St. Petersburg (damals Petrograd) die Arbeiter und begannen eine Revolte, die das Ende der bis dahin unantastbar geltenden Zarenherrschaft markierte. Diese Russische Revolution war nicht zuletzt das Ergebnis einer Verkettung tragischer sozialer Ursachen, tief verwurzelt im alten russischen Feudalsystem. So erlangten beispielsweise die verarmten russischen Bauern erst durch die Aufhebung der Leibeigenschaft unter Alexander II. eine gewisse Selbständigkeit. bzw. wirtschaftliche Freiheit. Zu all den Merkwürdigkeiten dieser Revolution zählte auch die Tatsache, dass deren vermeintlicher Anführer, Wladimir Iljitsch Lenin (1870–1924) bis kurz vor Beginn derselben wegen seiner revolutionären Agitation in den Jahren 1905–07 in der Schweiz im Exil lebte und, wie bestellt, just zum richtigen Zeitpunkt nach Russland eilte, um die Dinge in die Hand zu nehmen.

Die Bolschewisten (Kommunisten) – eine politische Fraktion unter vielen in Opposition zum Regime des Zaren – nutzten dabei geschickt das durch die Unruhen entstandene Chaos, und stellten sich an die Spitze der Aufrührer. Die Schwächung durch den 1. Weltkrieg (1914–1918) und das persönliche Unvermögen des als lavierend geltenden Zaren Nikolai II. trugen schliesslich massgebend zum Ende der Zaren-Ära bei. Fakt ist jedoch auch, dass die russischen Kommunisten, die sich mittlerweile in einen leninistischen Flügel (Bolschewiki) und eine orthodoxe sozialistische Fraktion (Menschewiki) – unter Führung des Gründers der Roten Armee – Trotzki geteilt hatten, nicht unwesentliche Unterstützung aus dem Ausland erhielten, um den Zaren weiter zu schwächen. Namentlich die Hilfe des Deutschen Kaisserreichs, das gegen Russland im Krieg stand, beschleunigte den Umsturz der Zarenregierung erheblich.

Am 15. März 1917 schliesslich fiel die Monarchie und an ihre Stelle trat eine provisorische Regierung, bestehend aus bürgerlichen Kräften, denen wiederum bolschewistische Arbeiter und Soldatenräte gegenüber standen. Die Bolschewisten vermochten sich im November 1917 durchzusetzen und errichteten eine kommunistische Diktatur (Sowjetunion). Dieser Putsch widerlegt den Mythos der kommunistischen Novemberrevolution als einen über einen Volksaufstand herbeigeführten Machtwechsel.

Doch es erwuchs auch Widerstand, der in den Russischen Bürgerkrieg 1918-21 mündete. Hier obsiegte die Effizienz der Roten Armee gegen revolutionäre Kräfte der Weissen Armee, einer Freiwilligenarmee unter dem Befehl des ehemaligen zaristischen Generals Michail Alexejw, die sich unter anderem auch aus Resten der zaristischen Streitkräfte zusammensetzte, sowie einer Intervention der Entente-Mächte Grossbritannien und Frankreich, an der sich auch Deutschland und Polen beteiligten. In der Folge überzogen Gewalt und Terror das Land, Lenin liess als Arbeitslager getarnte Konzentrationslager errichten, um privelegierte Angehörige der Oberschicht, namentlich Adelige und Kulaken (besitzende Bauern), oder Oppositionelle zu internieren. Ein System, das sein Nachfolger Stalin mit dem Gulag perfektionierte, und dem Millionen Menschen zum Opfer fielen.

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